GSW  STEUERBERATER • WIRTSCHAFTSPRÜFER

GSW Gönnecke • Siebenmorgen • Wasmuß Partnerschaft mbB Steuerberater • Wirtschaftsprüfer

Aktuelles aus Steuern und Recht

Ausgewählte Nachrichten aus Steuern und Recht - haben Sie hierzu Fragen? Dann nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf.


Infothek

Zurück zur Übersicht
Steuern / Einkommensteuer 
Donnerstag, 23.07.2020

Häuslicher Behandlungsraum einer Augenärztin für Notfälle kein Arbeitszimmer

Der Bundesfinanzhof hat zu der Frage Stellung genommen, ob ein Notbehandlungsraum im privaten Wohnhaus einer Augenärztin dem Typus des häuslichen Arbeitszimmers zuzuordnen ist oder ob ein betriebsstättenähnlicher Raum vorliegt (Az. VIII R 11/17).

Im Streitfall war die Klägerin als Augenärztin an einer Gemeinschaftspraxis beteiligt. Zur Behandlung von Notfällen hatte sie im Keller ihres privaten Wohnhauses einen Behandlungsraum ohne gesonderten Zugang mit Klappliege, Sehtafel, Medizinschrank, mehreren Stühlen und medizinischen Hilfsmitteln eingerichtet. Sie machte die Aufwendungen für den Behandlungsraum als Sonderbetriebsausgaben im Rahmen der Feststellungserklärung der Gemeinschaftspraxis geltend. Das Finanzamt erkannte diese Aufwendungen nicht an, weil der Raum ein „häusliches Arbeitszimmer“ darstelle und der Klägerin in der Praxis ein Arbeitsplatz zur Verfügung stehe. Das Finanzgericht Münster hatte entschieden, dass dem Abzugsverbot für ein häusliches Arbeitszimmer auch die Kosten für einen Behandlungsraum für Notfälle im privaten Wohnhaus eines Arztes unterliegen.

Der BFH sah dies anders und gab der Klage statt. Der Behandlungsraum sei nicht allein aufgrund der Tatsache, dass die Patienten zunächst Privaträume der Klägerin durchqueren müssen, als Arbeitszimmer anzusehen. Im Rahmen der für die Abgrenzung erforderlichen Gesamtwürdigung komme der Einrichtung des Raumes als Notfallpraxis, die eine private Mitbenutzung praktisch ausschließe, erhebliche Bedeutung zu. Damit liege ein betriebsstättenähnlicher Raum vor, sodass das Abzugsverbot für häusliche Arbeitszimmer nicht eingreife. Im Streitfall sei der Raum als Behandlungsraum eingerichtet und wurde als solcher von der Klägerin genutzt. Aufgrund dieser tatsächlichen Gegebenheiten könne eine private (Mit-)Nutzung des Raums durch die Klägerin praktisch ausgeschlossen werden. Zwar mussten die Patienten der Klägerin zwei dem privaten Bereich zuzuordnende Flure durchqueren, um in den Behandlungsraum zu gelangen. Jedoch sei die dadurch gegebene räumliche Verbindung zu den privat genutzten Räumen gering ausgeprägt.

Zurück zur Übersicht

Die Fachnachrichten in der Infothek werden Ihnen von der Redaktion Steuern & Recht der DATEV eG zur Verfügung gestellt.